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Asthma - Eine Krankheit, die keine Beschwerden machen dürfte


Dr. Thomas Hausen
Asthma ist eine der wenigen Krankheiten, die sich hervorragend behandeln lässt. Ein Asthmatiker kann heute ein beschwerdefreies oder zumindest beschwerdearmes Leben führen! Voraussetzung ist, dass die Behandlung in der Intensität an die Schwere der Erkrankung angepasst wird und der Patient diese Behandlung regelmäßig und korrekt durchführt.

Nur für einige wenige Patienten trifft diese Feststellung nicht zu. Das sind Patienten mit einem schweren Asthma oder Patienten, bei denen eine lang dauernde Asthmakrankheit bereits Spätschäden hinterlassen konnte.

Asthma wird durch eine Entzündung der Schleimhaut in den Atemwegen (Bronchien) verursacht. Diese Entzündung wird nicht durch Erreger ausgelöst! Antibiotika können somit nicht helfen!

In diesem Entzündungsprozess – denken Sie an ein Feuer – werden Stoffe gebildet, die die Atemwege reizbar machen (Überempfindlichkeit) und einige krankhafte Veränderungen in den Atemwegen verursachen:

  • Die Schleimhaut, die die Bronchienauskleidet, schwillt an!
  • Es wird mehr und vor allen Dingen zäher Schleim – wie Weingummi – gebildet.
  • Die Muskulatur, die die Bronchien umgibt, verkrampft und zieht sich zusammen.

Diese Veränderungen verengen die Öffnung der Bronchien. Die Intensität dieser Veränderungen ist abhängig von der Intensität der Entzündung. Der Patient verspürt vermehrt Husten, Auswurf und in unterschiedlicher Intensität Luftnot. Je größer die Flammen der Entzündung, desto stärker sind die Beschwerden und desto schneller beginnen sie. Husten ist oftmals der einzige Hinweis auf das Asthma, und Luftnot kann lange fehlen.

Typisch ist das Auftreten der Beschwerden im örtlichen oder zeitlichen Zusammenhang mit dem Kontakt mit möglichen Auslösern. Etwa 40 % aller Menschen, die wiederholt unter einem überwiegend trockenen Husten leiden, sind Asthmatiker. Die Beschwerden treten typischerweise anfallsweise nach dem Kontakt mit einem Auslöser auf. Zumindest am Anfang verspürt der Asthmatiker zwischen den "Anfällen" keine Beschwerden.

Je länger diese Flammen der Entzündung ohne richtige "Gegenmaßnahmen" lodern können, desto eher ist damit zu rechnen, dass sich bleibende Schäden entwickeln können:

  • Die Oberfläche der Bronchien wird dauerhaft geschädigt. Die Flimmerhärchen, die den eingeatmeten Staub "auffangen" und nach draußen befördern, können ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen. Häufige Infektionen können die Folge sein.
  • Die "Grundmauer", auf der die Schleimhaut in den Bronchien sitzt, verdickt sich.
  • Die Muskulatur der Bronchien nimmt an Masse zu, wie bei einem Sportler, der regelmäßig Muskeltraining betreibt.

Das traurige Ergebnis dieser "Unterlassungssünde" ist eine dauerhafte Verengung der Atemwege, die durch Medikamente nicht mehr rückgängig zu machen ist. Nur eine rechtzeitige und regelmäßige Behandlung kann diese Veränderungen verhindern!

Der häufigste Auslöser dieser Entzündung in der Schleimhaut ist eine Allergie (Pollen, Hausstaubmilbe, Pilzsporen, Tiereiweiß). Bei allen Patienten mit einer allergischen Rhinokonjunktivitis (= Heuschnupfen), die zur Zeit ihrer Allergie unter Husten und oder auch leichter Luftnot in den frühen Morgenstunden (4–6 Uhr) und / oder bei Anstrengung leiden, sollten an das gleichzeitige Vorhandensein eines Asthmas denken.
Etwa 40–60 % aller Patienten mit einer allergischen Rhinokonjunktivitis leiden gleichzeitig unter einem allergischen Asthma.

Typischerweise beginnt ein allergisches Asthma in den frühen Jugendjahren, etwa um das vierte Lebensjahr. Die Kinder fallen meistens nur durch Husten und Auswurf auf, der länger anhält und häufig als Infekt missdeutet wird. Diese "Infektbeschwerden" sprechen nicht auf die üblichen Medikamente einer Infektbehandlung an. Fast beweisend für das Vorliegen eines Asthmas ist ein Behandlungsversuch wie beim Asthma! Die Beschwerden sind schnell verschwunden oder abgemildert und treten nach Absetzen der Medikamente erneut auf.

Weitere Auslöser können Infekte der Atemwege, Medikamente (z. B. Acetylsalicylsäure, Betablocker) und auch unspezifische Reize, wie Kälte, trockene Luft, bestimmte Gerüche, Parfums etc. sein. Bei einer seltenen Sonderform des Asthmas (intrinsisches Asthma), das meistens jenseits des 40. Lebensjahrs auftritt, können wir keine Auslöser finden. Die oftmals angeschuldigte Psyche kann ein vorhandenes Asthma zwar verstärken, nicht aber auslösen!

Der Verdacht auf das Vorliegen eines Asthmas ist schnell gestellt, wenn die Patienten von den typischen Beschwerden, Husten und anfallsweise Luftnot berichten oder diese erfragt werden können. Der Verdacht erhärtet sich, wenn sich das Auftreten der Beschwerden mit einem potentiellen Auslöser in Zusammenhang bringen lässt. Beschwerden im Frühjahr lassen an eine Baumpollenallergie und im Frühsommer an eine Gräserallergie denken. Beschwerden im September, wenn die Heizung wieder angestellt wird, aber auch im ganzen Jahr mit Besserung in den Bergen, können Hinweise auf eine Hausstaubmilbenallergie sein. Der Allergietest dient zur Bestätigung der Hinweise auf potentielle Auslöser.

Die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf Asthma ist die Lungenfunktionsuntersuchung. Hiermit kann man die Atemwegsverengung (Obstruktion) nachweisen. Die völlige Beseitigung oder zumindest deutliche Besserung nach Inhalation eines Medikamentes zur Besserung von Obstruktion ist praktisch beweisend.

Sollte zum Zeitpunkt der Untersuchung trotz Verdacht auf Asthma in der Lungenfunktion kein Hinweis auf eine Obstruktion vorliegen, was im freien Intervall möglich sein kann, müssen andere Untersuchungen den Beweis antreten.

Der Patient misst regelmäßig, ganz besonders bei Beschwerden den so genannten Peak-Flow (Spitzenfluss) mit einem kleinen Gerät, das ihm mitgegeben wird. Auf diese Weise lassen sich die Obstruktion und vielleicht sogar der Auslöser nachweisen.

Etwas aufwändiger ist eine so genannte bronchiale Provokation. Der Patient inhaliert beim Lungenfacharzt eine Substanz, die eine Obstruktion auslösen kann. Wegen der Überempfindlichkeit der Atemwege reagieren die Bronchien eines Asthmatikers schneller als Gesunde mit einer Verengung der Atemwege.

An erster Stelle aller Maßnahmen steht die Beseitigung der Auslöser. Nur lässt sich der Kontakt mit den Auslösern nur in wenigen Fällen tatsächlich verhindern. Mit einer Hyposensibilisierung können die Beschwerden beseitigt oder zumindest gemildert werden. Dem Körper wird in regelmäßigen Zeitabständen sein Auslöser injiziert in der Hoffnung, dass er irgendwann nicht mehr darauf reagiert.

Die medikamentöse Behandlung besteht in der Inhalation der Medikamente. Der große Vorteil ist, dass die Medikamente direkt dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. Durch den direkten Zugang ohne Umweg über den Magen-Darmtrakt wirkt das Medikament schneller und bei geringerer Dosis. Weniger Medikament bedeutet gleichzeitig geringere Gefahr von Nebenwirkungen.

Das wichtigste Ziel ist die Minderung der Entzündung. Das stärkste und auch das am besten antientzündlich wirkende Medikament ist Kortison zur Inhalation. Die von vielen Patienten verspürte Angst vor Kortison ist im Fall des Kortisons zur Inhalation unberechtigt. In den üblichen Dosen und bei korrekter Anwendung ist Kortison zur Inhalation praktisch ohne Nebenwirkungen. Die wenigen, sehr seltenen Nebenwirkungen sind harmlos und können leicht beseitigt werden. Eine zweite antientzündliche Substanzgruppe sind die Leukotrienantagonisten, die aber in der Intensität der Wirkung deutlich hinter dem Kortison zurückliegen. Diese zweite Substanz sollte eigentlich nur zum Einsatz kommen, wenn Kortison nicht verwendet werden kann, oder zusätzlich zum Kortison, wenn dessen Wirkung unterstützt werden soll.

Wegen seiner intensiven Wirkung bei gleichzeitig hoher Sicherheit des Kortisons hat sich diese Behandlungsform zum Goldstandard entwickelt! Die Dosis der Medikamente richtet sich nach der Intensität der Entzündung. Eine große Flamme benötigt eine große, eine kleine Flamme eine kleine Dosis. Meistens reicht die einmalige oder höchstens zweimalige Inhalation eines Kortisonpräparates pro Tag aus, den Patienten dauerhaft beschwerdefrei zu machen. Bei akuten Beschwerden kann die Dosis vorübergehend angehoben werden. Bei regelmäßiger Inhalation kann bei vielen Patienten die Dosis auf Dauer sogar reduziert werden.

Alle anderen in der Asthmatherapie verwendeten Medikamente dienen ausschließlich dazu, die Behandlung mit Kortison zu unterstützen oder kurzzeitig aufgetretene Beschwerden zu lindern. Nur einige wenige Patienten benötigen mehrere Medikamente.

Leider wird die Diagnose Asthma häufig zu spät entdeckt, so dass der Krankheit genügend Zeit verbleibt, Dauerschäden zu entwickeln. Dafür gibt es vor allen Dingen zwei Gründe:

  1. Die Patienten erdulden die Beschwerden lange Zeit geduldig, ohne einen Arzt aufzusuchen.
  2. Leichte Beschwerden lassen auch die Ärzte nicht immer an ein Asthma denken.v

Die zehn Gebote einer Kortisoninhalation

Kortison ist das stärkste Medikament zur Behandlung von Entzündungen! Die Inhalation von Kortison ist bei korrekter Anwendung fast ohne Nebenwirkungen. Der Erfolg der Behandlung hängt von Ihnen ab! Beachten Sie folgende Empfehlungen:

  1. Inhalieren Sie Ihr Kortison regelmäßg! Kortison zur Inhalation wirkt nur bei regelmäßiger Anwendung!
  2. Setzen Sie die Behandlung auch bei scheinbar fehlender Wirkung fort! Die Hauptwirkung wird bei regelmäßger Anwendung erst nach 1-3 Wochen erreicht.
  3. Kortison zur Inhalation beugt einer Verschlechterung der Krankheit vor! Halten Sie die empfohlene Dosierung und die Zeitintervalle möglichst genau ein.
  4. Kortison zur Inhalation kann im Notfall nicht helfen! Markieren Sie das Kortisonspray, damit Sie im Notfall wissen, dass dieser Spray für die Notfallbehandlung nicht geeignet ist!
  5. Ändern Sie die Dosis nicht, oder brechen Sie die Behandlung nicht ab ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt! Dieses Gebot gilt ganz besonders nach Eintreten einer Besserung.
  6. Inhalieren Sie das Kortison vor den Mahlzeiten und spülen Sie sich anschließnd den Mund mit einfachem Wasser ohne Zusätze aus! Im Mund verbliebene Anteile des Kortisons werden so beseitigt.
  7. Weißliche Beläge auf der Mundschleimhaut sollten Anlass zu einem Arztbesuch sein! Setzen Sie die Behandlung aber auf jeden Fall bis zu Ihrem Arztbesuch fort!
  8. Sollten Sie heiser werden, suchen Sie Ihren Arzt auf! Heiserkeit ist eine seltene und harmlose Nebenwirkung, die nach Wechsel auf ein anderes Präparat oder nach Beenden der Behandlung schnell wieder abklingt. Setzen Sie die Behandlung aber auf jeden Fall bis zum Arztbesuch fort!
  9. Bitten Sie Ihren Arzt, regelmäßig Ihre Inhalationstechnik zu überprüfen! Fehler bei der Inhalation sind die häufigsten Gründe für den Misserfolg einer Inhalationstherapie. Fehler schleichen sich auch bei regelmäßigem korrektem Gebrauch ein!
  10. Sollten Sie Fragen und Befürchtungen haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt!

Aber auch die Behandlung gibt Anlass zur Besorgnis. Ein Asthmatiker dürfte eigentlich keine Beschwerden haben. Unter diesen Voraussetzungen ist es unverständlich, dass immer noch Asthmatiker unter ihrer Krankheit leiden, und dass immer noch Asthmatiker an Asthma sterben.
Auch für dieses Manko sind einige Gründe verantwortlich:

  1. Viele Patienten glauben, Asthma wäre eine harmlose Erkrankung!
  2. Die unbegründete Angst vor Kortison zur Inhalation hält sie von der Behandlung ab!
  3. Die Patienten inhalieren ihr Kortison nur bei Bedarf. Kortison löscht das Feuer der Entzündung und benötigt dazu eine gewisse Zeit. Diese Wirkung hält nur bei regelmäßiger Anwendung an.
  4. Die Patienten inhalieren bei Beschwerden nur das schnell wirkende Medikament! Diese Medikamente können die Beschwerden zwar schnell, aber auch nur für eine begrenzte Zeit lindern. Auf den ursächlichen Krankheitsprozess haben sie aber keinen Einfluss.
  5. Die Intensität der Behandlung wird zu gering bemessen.
  6. Viele Patienten machen Fehler bei der Inhalation.Selbst bei optimaler Inhalationstechnik gelangen nur 10–60 % der freigesetzten Substanzmenge in die Atemwege. Nur bei Verwendung des richtigen Inhaliergerätes und einer fehlerfreien Inhalationstechnik kommt genügend Medikament in den Bronchien an!

Die Inhalation der Medikamente ist der Weg der Therapie. Der große Vorteil ist, dass die Medikamente direkt dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. Eine internationale Gruppe von Experten hat es sich zur Aufgabe gemacht haben, auf die wichtigen Punkte der Inhalationstherapie aufmerksam zu machen und zu verbessern. Ärzte, Apotheker und Patienten finden auf der Webseite www.admit-online.info Informationen zum Thema Atemwege, Inhalation und Atemwegserkrankungen. Hier finden Interessierte auch Abbildungen und Informationen zu den wichtigsten Inhaliergeräten.

Die Gruppe empfiehlt folgendes Vorgehen für eine erfolgreiche Inhalationstherapie:

  • Jeder Patient sollte das für ihn geeignete Inhaliergerät erhalten! Das ideale Inhalationsgerät ist leicht zu handhaben, besitzt ein Zählwerk zur Information über den Medikamentenvorrat und idealerweise auch über getätigte Inhalationen, gibt dem Patienten ein Feedback über eine gelungene Inhalation und besitzt ein kleines Format.
  • Der richtige Vorgang der Inhalation muss dem Patienten bei der ersten Verschreibung ausführlich beschrieben und demonstriert werden. Im Idealfall darf der Patient sogar den Inhalationsvorgang mit einem Demonstrationsgerät mit Einmalmundstück nachmachen. Sofern diese Möglichkeiten nicht besteht, sollte der Inhalationsvorgang mit dem verordneten Gerät nach wenigen Tagen überprüft werden.
  • Sofern möglich, sollte eine schriftliche Information zum verordneten Gerät ausgehändigt werden.
  • Bei Verordnung mehrerer Medikamente sollte möglichst nur ein Typ von Inhaliergerät verwendet werden, um Verwechselungen und Probleme bei der Inhalation zu vermeiden. Leider werden nicht alle vorhandenen Substanzen in allen Inhaliergeräten angeboten.
  • Die Inhalationstechnik sollte regelmäßig überprüft werden! Deswegen sollten die Patienten ihr Gerät zum Arztbesuch immer mitnehmen.

Die zehn Gebote einer Inhalation von Kortison sollen den Weg zur einer erfolgreichen Behandlung und einem Leben mit Asthma, aber ohne Beschwerden ebnen helfen.

So führen Sie Ihr AsthmaTagebuch

Die Ergebnisse Ihrer Peak-Flow- Messungen sollten Sie in einem Asthma-Tagebuch protokollieren, das Ihnen Ihr Arzt aushändigen kann – es sei denn, Sie haben ein Gerät, das diese selbst speichert. Außerdem ist es sinnvoll, dass Sie Ihre Krankheitssymp tome und den Medikamentenverbrauch gut dokumentieren. Diese Angaben geben Ihrem Arzt wichtige Anhaltspunkte für die optimale Einstellung Ihres Asthmas.

Haben Sie bereits einen Asthmapass im Scheckkartenformat?

Sie und Ihr Arzt können darauf wichtige Informationen festhalten (wie Allergien und Unverträglichkeiten) und vermerken, was im Notfall konkret zu tun ist. Er ist somit ein wichtiges Dokument für Helfer, das Sie im Portemonnaie immer bei sich tragen sollten.

Dr. med. Thomas Hausen
Grafenstraße 52
45239 Essen
E-Mail: th.hausen@t-online.de

Nähere Informationen erhalten Sie auf der Internet Seite www.admit-online.info

Informationen und Patientenbroschüre www.medapharma.de